Alt aber nicht blöd | Senioren und Medienkompetenz

Quelle: A1 Telekom Austria
Viele Senioren interessieren sich für digitale Medien | Bild: A1 Telekom Austria

US-Präsident Donald Trump vergibt Fake-News-Awards, Social Media nehmen Einfluss im  Wahlkampf da wie dort. Offenbar ist es zeitweise schwierig, zwischen Fake-News und Satire zu unterscheiden oder überhaupt festzustellen, wer der Urheber des Textes ist und woher die Fakten dazu kommen. Mit dem Umstand kämpfen schon jüngere Menschen, die mit diesen Technologien und Netzwerken aufgewachsen sind. Für Ältere dürfte es eine noch größere Herausforderung sein, Fakten zu prüfen. Oder nicht? 

„Moment, ich muss noch die andere Brille nehmen. Mit dieser sehe ich nur in der Ferne was.“ Eine Kursteilnehmerin kramt noch in Ihrer Handtasche. Im mit modernster Technik ausgestatteten Trainingsraum bietet sich ein ungewohntes Bild: Die Damen und Herren sind allesamt über sechzig und beschäftigen sich mit modernen Technologien. Auf der Agenda steht an diesem Tag nämlich „Social Media für Senioren“. Das Sehvermögen ist nur ein Unterschied zu üblichen Computerkursen.

In den vergangenen Jahren wurde das Angebot an Kursen für Senioren immer umfangreicher. Die Nachfrage danach ist groß. Bei A1 sind die Kurse für Senioren, die unter dem Motto laufen „Internet für alle“, schnell ausgebucht. Und auch die Initiative Safer Internet bietet eine Reihe an Kursen und Informationsblätter speziell für Senioren an. Anders als sonst arbeiten Senioren in den Kursen meist an ihren eigenen Geräten. An den Geräten, die sich gewöhnt sind und mit denen sie später auf Facebook & Co die Timeline durchblättern werden.

Von Postkast’l und Schnürltelefon

Medienkompetenz ist die Basis der Kurse, die bei beiden Einrichtungen angeboten werden. Viel Wert wird auf Sicherheit gelegt.  Doch kryptische Begriffe wie Cloud, Phishing & Co zu erklären, ist eine besondere Herausforderung. Senioren werden in den Kursen mit Themen konfrontiert, die in der analogen Welt nicht existieren. Also müssen Analogien her: So wird die Cloud zum Postkast‘l und das Festnetz-Internet zum „Schnürl-Telefon“. Die Trainer versuchen in diesem Bereich noch mehr als sonst Parallelen zur „echten Welt“ zu ziehen.

Es gibt auch bei der älteren Generation ein Bewusstsein dafür, dass es  Viren, Hacker und falsche Nachrichten gibt. „Fake News“ ist in den Bildungseinrichtungen fixer Bestandteil des Kursstoffes. Bei A1 merkt man speziell bei den Seniorenkursen, dass das Thema schwieriger ist. Maria-Christina Kogelnik-Antiochos von A1 erklärt warum das so ist: „Senioren brauchen definitiv länger um sich Medienkompetenz anzueignen.“ Sie begründet es weiters damit, dass viele mit technischen Basisskills, wie zum Beispiel dem Umgang mit der Maus, noch sehr zu kämpfen haben. Ähnlich sieht das Edith Simöl von Safer Internet:

„Es ist sehr unterschiedlich und abhängig vom Menschen. Senioren, die bei der Zeitungsauswahl seriöse Berichterstattung bevorzugen, werden auch bei digitalen Medien darauf achten“.

Sie ist beim Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation Projektleiterin für Digitale Medien und SeniorInnen zuständig und weiß wovon sie spricht. Es erfordert mehr Zeit festzustellen, wer hinter einem Text in digitalen Medien steht. Doch: Dass man mit ein paar Klicks weg vom Content kommt, merken auch Senioren schnell. Davon ist die technikaffine Psychologin und langjährige Trainerin Simöl überzeugt.

Neue Technologien – Der Weg zur Unabhängigkeit

Hinter vielen Senioren, die Computerkurse besuchen, stecken Enkelkinder, die antreiben:  „Oma, wie wäre es mit Whatsapp?“ Bei den Seniorenkursen geht es meist um die ersten Schritte ins Internet, das Anlegen eines Facebook-Accounts oder das Vergleichen von Angeboten.

Aber auch andere Gründe treiben Senioren in Kurse: Nicht-Online sein kann zu Einschränkungen führen. Manche Reiseangebote sind nur online verfügbar und auch das Vergleichen von Angeboten übers Internet ist einfacher oder teilweise nur dort möglich. Die Damen und Herren, die sich den neuen Technologien öffnen sind die, die sich auch freuen, einmal was Neues dazu zu lernen. Edith Simöl von der Initiative Safer Internet meint weiter dazu:

„Wäre es nicht der Computerkurs, dann wäre es vielleicht die dritte oder vierte Sprache.“ 

Doch es gibt noch einen anderen sehr wichtigen Aspekt bei der Nutzung neuer Technologien: Unabhängigkeit. Edith Simöl betreut eine 85-jährige Dame, die sich kürzlich eine „Alexa“, das digitale Assistenzsystem von Amazon zugelegt hat. Auf den ersten Blick ist das recht erstaunlich und vielleicht witzig, wenn sich ältere Menschen mit derartig neuen Technologien und Equipment auseinandersetzen. Simöl sieht darin die Zukunft: „Digitale Assistenzsysteme sind DIE Chance für ältere Menschen, so lange wie möglich eigenständig zu bleiben.“

Von Gudrun Lunacek

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