Twitter – Who cares?

Symbolbild von Pixabay. Vogel vor Schlagwörtern rund um Social Media
Quelle: Pixabay

Die Twitter-Gemeinschaft wächst rasant – zumindest in Österreich. Rund 552.000 User sind laut der Agentur httpool, die den Microbloggingdienst in Österreich vermarktet, monatlich aktiv. 220.000 der Nutzerinnen und Nutzer twittern sogar täglich.

Wirft man einen Blick auf die User mit den meisten Followern gibt es wenig Überraschungen: Politiker und Politikerinnen, Medien, Journalisten und Journalistinnen. Reichweitenstärkster Österreicher ist derzeit ORF-Journalist Armin Wolf mit 397.000 Followern, gefolgt von Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Das antwortet Wolf auf die Frage, welchen Nutzen er aus dem Medium ziehe:

„Für mich ist Twitter mittlerweile die wichtigste Informationsquelle“

Durch 600 sorgfältig ausgesuchte Accounts von Medien, Journalistinnen und Journalisten, Expertinnen und Experten, sowie Institutionen erfahre er fast alles schneller als über Presseagenturen. „Es ist so etwas wie meine private Presseagentur und außerdem ein spannendes Diskussionsmedium.“ Wolf glaubt auch, dass Twitter Einfluss auf die öffentliche Debatte hat: „Die meisten Journalistinnen und Journalisten sind auf Twitter aktiv und finden dort auch Ideen für neue Geschichten.“

Die WhatsApp-Gruppe des politmedialen Komplexes

Falter-Chefredakteur Florian Klenk sieht das ähnlich: „Twitter ist einerseits die WhatsApp-Gruppe des politmedialen Komplexes in Österreich, eine Tschaunerbühne und Bassena zugleich.“ Es sei aber auch ein News-Feed und Nachrichtenkanal, der ihm Texte eröffne, die er sonst nicht bekäme. Den Einfluss auf den öffentlichen Diskurs schätzt Klenk jedoch als eher gering ein. Es liegt also der Verdacht nahe, dass Twitter hauptsächlich ein Medium für Politik und Medien ist. Aber stimmt das?

Marko Bosnjak, Kundenmanager von httpool, relativiert diese These. Twitter sei in Österreich und im deutschsprachigen Raum eher ein Kanal der Eliten, politisch interessierten und technikaffinen Menschen. Auf einzelne Berufsgruppen könne man die Nutzerinnen und Nutzer aber nicht herunterbrechen. „In den letzten Jahren hat sich Twitter auch im deutschsprachigen Raum mehr dem Mainstream-User und der Jugend geöffnet.“ Es seien alle Branchen und Arten von Usern vertreten, „von CEO/Managern in Unternehmen, bis zu Travel-Bloggern, oder Jugendlichen, die sich zu Anime-Serien austauschen.“

Nicht nur für Medien und Politiker | „In den letzten Jahren hat sich Twitter auch im deutschsprachigen Raum mehr dem Mainstream-User und der Jugend geöffnet“, meint Marko Bosnjak, Kundenmanager von httpool.
Nicht nur für Medien und Politiker | „In den letzten Jahren hat sich Twitter auch im deutschsprachigen Raum mehr dem Mainstream-User und der Jugend geöffnet“, meint Marko Bosnjak, Kundenmanager von httpool.

Celebrities, Influencer und Blogger vermehrt auf Twitter

Verschiedene Faktoren hätten diese Entwicklung beeinflusst, so Bosnjak. Er nennt die Vereinfachung der Nutzung durch Vorschläge von Accounts und „Timeline Highlights“. Timeline Highlights sind nichts anderes als die Hashtags, über die das eigene Netzwerk gerade am meisten diskutiert. Sie sind gleich beim Öffnen auf der Startseite zu finden. Internationale Stars, Sportgrößen, aber auch lokale Influencer und Blogger hätten zudem fast alle einen Twitter-Account, so Bosnjak. Das ziehe wiederum jüngere Nutzerinnen und Nutzer an: „Aktuell beträgt der Altersdurchschnitt circa 28 bis 30 Jahre, er sinkt jedoch in den letzten Quartalen.“

Unter jüngeren Jugendlichen in Österreich scheint Twitter trotzdem keine große Rolle zu spielen. Saferinternet erstellt zusammen mit dem Institut für Jugendkulturforschung jährlich den Jugend-Internet-Monitor. Mittels einer Onlineumfrage werden die beliebtesten sozialen Medien der 11- bis 17-Jährigen ermittelt. Im Jahr 2017 gaben 93 Prozent der Befragten an, den Nachrichtendienst WhatsApp zu nutzen, dicht gefolgt von Youtube mit 90 Prozent. Nur 14 Prozent der 400 befragten Jugendlichen nutzten Twitter, das waren 11 Prozent weniger als noch im Jahr 2016.

Twitter nicht niederschwellig und visuell genug

„Die Ergebnisse haben uns gar nicht überrascht“, meint Matthias Jax, Projektleiter bei Saferinternet. Das verhältnismäßig kleine Interesse an Twitter unter Jugendlichen erklärt sich Jax durch den hohen Wortanteil und die nicht ganz einfache Nutzung: „Bei Twitter muss man sich zum Beispiel erstmal eine Followerschaft aufbauen.“ Die fünf beliebtesten Medien bedienen sich alle einer sehr visuellen Sprache. Im März 2018 erscheint der Jugend-Internet-Monitor zum dritten Mal. „Die Ergebnisse ändern sich erfahrungsgemäß stark“, meint Jax. Er glaubt aber, dass Twitter heuer noch weniger präsent ist unter Jugendlichen.

Von Sarah Nägele und Gudrun Lunacek

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