Jodel: Wenn anonyme User einander treffen

Jeder kennt Facebook, Twitter und Instagram, denn das sind die beliebtesten sozialen Netzwerke der Welt. Täglich teilen uns Menschen mit, was sie gerade tun, mit wem sie unterwegs sind und ganz wichtig: Wie sie dabei aussehen. Doch was wäre, wenn man all dies anonym machen könnte? Wenn niemand wüsste, wer man ist? Jodel macht es möglich! Wir, Tiana Hsu und Selma Dikici, haben die App für euch getestet und zusätzlich versucht, Jodler im realen Leben zu treffen.

Der wahrscheinlich beliebteste Trend der Jodel-Community: Jodel-Treffen. Wie solch ein Treffen abläuft, haben wir für euch getestet und gefilmt! Einfach hineinschauen, wenn es euch interessiert, worauf man da achten muss und ob tatsächlich jemand aufgetaucht ist!

So funktioniert Jodel

Ein Jodel-Feed: Wie er aussehen kann. Foto: jodel.com

Öffnet man die App, kommt man direkt auf die Startseite. Hier sieht man die neuesten Beiträge (Jodel) von Usern im Umkreis von zehn Kilometern. Möchte man selber etwas jodeln, hat man die Wahl zwischen einem Text oder einem Foto. Verfasst man einen Post, so wird man als „Original Jodler“ oder kurz OJ, bezeichnet. Wer einen Jodel kommentiert, erhält eine Nummer, damit man weiß, welche Kommentare von derselben Person sind. Ziemlich clever oder?

Ist man an einer heißen Diskussion interessiert, so kann man auf „Meist kommentierte“ tippen und sich die Jodel mit den meisten Kommentaren durchlesen. Wenn man aber die Beiträge mit den meisten Upvotes (Daumen hoch) sehen möchte, so findet man diese unter „Lauteste“, denn auch auf Jodel legt man viel Wert auf die Meinung der Nutzer. Jeder User kann einem Beitrag einen Up- oder Downvote geben. Für jeden positiven Vote, erhält man zwei Karma-Punkte, für jeden negativen verliert man zwei. Nun fragt ihr euch bestimmt: wofür sind diese Karma-Punkte?

Da sich diese App in erster Linie an Studenten richtet, wird meist spekuliert, ob man das eigene Karma irgendwann gegen ECTS-Punkte eintauschen kann. Spoiler-Alert: Nein, das kann man natürlich nicht. Karma-Punkte sind dafür da, dass man Freude daran hat sich mit anderen Jodlern auszutauschen, denn auch für Upvotes und Kommentare, die man selber erhält, gibt es Karma-Punkte. Außerdem ist es üblich, dass man ab einer Anzahl von 50.000 Karma-Punkten Moderator wird. Dieser Job ist auf Jodel heiß begehrt, denn Moderatoren sind die Ersten, die gemeldete Fotos/Beiträge (manchmal sogar Nudes) zu Gesicht bekommen und darüber entscheiden müssen, ob diese weiterhin auf Jodel bleiben dürfen oder nicht. Eine sehr wichtige Aufgabe also. Doch warum ist die App so beliebt?

Anonymität und Regionalität

Eines der beliebtesten Themen auf Jodel: Beziehungen. Foto: jodel.com

Bereits im Oktober 2014 wusste Alessio Borgmeyer, nunmehr Geschäftsführer, dass die Nutzer seiner zukünftigen App anonym bleiben sollen. Mithilfe seiner Freunde Tim Schmitz (Finanzchef), Niklas Henckell (Communitychef) und Alexander Linewitsch (Produktentwicklungschef) gründete er die Jodel Venture GmbH, mit Sitz in Berlin und dem Ziel, eine große Community zu schaffen. Die User waren von der Idee der Anonymität und Regionalität begeistert und so hatte die App bereits im August 2017 über 1,5 Millionen Benutzer.

Was man auf Jodel findet? Ganz einfach: Dinge, die Studenten beschäftigen. Angefangen von Beziehungsfragen bis hin zu Tipps für neue Studierende. Sehr beliebt sind allerdings auch Fotos von Haustieren. Eine gute Mischung macht es aus, aber das Allerbeste: Es gibt keine Filterbubble! Man bekommt alles, wirklich alles, das in der eigenen Umgebung veröffentlicht wird. Ist man aber trotzdem an bestimmten Inhalten interessiert, so kann man Channels beitreten, wie zum Beispiel „WsfragenMs“. In diesem Channel haben Studentinnen die Möglichkeit Studenten Fragen zu stellen, die sie im realen Leben nie stellen würden. Aufgrund der Anonymität ist es auf Jodel natürlich leichter, über seinen eigenen Schatten zu springen.

Wiener Jodel: Running Gags & Trends 

Hunde werden auf Jodel „Bellgadse“ genannt. Foto: jodel.com
Wir haben ein Jodel-Treffen am Donaukanal organisiert. Mehr Infos im Video! Foto: Selma Dikici

Wenn man sich Österreich ansieht, so ist klar, dass jedes Bundesland anders ist. Dies wird auch auf Jodel bemerkbar, denn in Wien jodelt man anders als zum Beispiel in Graz oder Klagenfurt. Die Regionalität ermöglicht es, dass verschiedene „Running Gags“ und Trends entstehen. Beispielsweise darf in der Hauptstadt der Wiener Grant nicht fehlen. Vor allem am Morgen liest man sehr oft, wie sich die User darüber aufregen, dass sich die Leute auf der Rolltreppe auf der linken Seite hinstellen, obwohl diese Seite zum Hinaufgehen gedacht ist.

Auf Jodel verdeutlicht sich die Rivalität zwischen Universitäten und Fachhochschulen besonders. Sehr beliebt ist es, sich über Studenten von Fachhochschulen lustig zu machen. Meist geschieht dies, indem man ein Foto von einer Kindergartengruppe macht, die man zufällig sieht und darunter „FH-Ausflug“ schreibt.

Noch ein auffälliger Trend sind die Haustier-Fotos. Katzen werden als „Gadsen“, Hunde als „Bellgadsen“ und Schildkröten als „Panzergadsen“ bezeichnet. Bei allen anderen Tieren, versucht man das Wort „Gadse“, so kreativ wie möglich, einzubauen.

„Kik?“

Kik ist das anonyme Äquivalent zu Whatsapp, der beliebtesten Messenger-App der Welt. Auf Jodel munkelt man darüber, dass sich die Schaffer der beiden Apps zusammengeschlossen hätten, denn fast jeder Jodler lädt sich im Laufe seines Jodel-Daseins Kik auf sein Smartphone. Diese App basiert, wie Jodel auch, auf Anonymität. Man hat die Möglichkeit Usernamen auszutauschen und miteinander zu kommunizieren. Daher ist die Verwendung von Kik für Jodler essenziell! Denn wie sonst soll man in direkten Kontakt mit Usern kommen, die man gerne näher kennenlernen oder womöglich sogar treffen möchte? Man sieht also, dass diese App leicht zu bedienen ist, man Teil einer Gemeinschaft werden kann und sogar Menschen im realen Leben dadurch treffen kann, doch wie finanzieren Alessio und Co das alles?

Erste Schritte in Richtung Werbung

Schon von Anfang an hat das Jodel-Team mit Investoren zusammen gearbeitet. Im Juni letzten Jahres soll das Start-up allein sechs Millionen Dollar vom Floodgate Team, Adam d’Angelo (CEO von Quora), dem Kima Ventures Team, Rubylight, Global Founders Capital und Atlantic Labs erhalten haben. Mithilfe dieser Unternehmen, soll der Fokus der Entwickler am Wachstum der Nutzer und der US-Expansion liegen. Allerdings experimentieren die Unternehmer auch mit Werbung auf der App selber. Man kann ab und zu, wenn man den Foto-Feed hinunter scrollt, Werbung vom Telefonanbieter „Drei“ sehen. Doch diese ist fast gar nicht als Werbung erkennbar, daher stört sie bei der Verwendung der App, unserer Meinung nach, nicht.
Wir hoffen, dass dies auch in Zukunft weiterhin so bleiben wird und empfehlen diese App jedem weiter, der Teil einer netten Community werden und vielleicht sogar den ein oder anderen Jodler treffen möchte.

Von Tiana Hsu und Selma Dikici, FH Wien