„Wir agieren auch nach 20 Jahren noch wie ein Start-up“

Wie wird bei Infoscreen hinter den Kulissen gearbeitet?  Welche Herausforderungen ergeben sich und was ändert sich durch die Konkurrenz von Smartphones? Das wollten wir von Geschäftsführer Sascha Berndl und Chefredakteurin Stefanie Paffendorf wissen.

Das österreichische Medienunternehmen Infoscreen erreicht die Menschen dort, wo sie gelangweilt sind und sich über Ablenkung freuen: in den Straßenbahnen, Bussen und U-Bahnen des Landes. 2.500 Screens gibt es österreichweit.

Wie StadtbewohnerInnen den Infoscreen wahrnehmen. Video: Luciana Siegenthaler

 

Die Infoscreen-Meldungen erreichen fast alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Wie kann man da alle gleichermaßen bedienen?

Sascha Berndl: Wir haben tatsächlich eine sehr heterogene Zielgruppe, wir sehen uns als das Medium der Öffi-Fahrer. Die haben natürlich alle ganz verschiedene Interessen, wir haben gesehen, dass
es einzelne Formate gibt, die besonders beliebt sind, andere hingegen weniger. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass die Vielfalt ein Teil unseres Erfolgsrezepts ist. Und: Wenn ich
einen Beitrag sehe, der mich nicht so interessiert, dauert es nur 20 Sekunden, bis der nächste Beitrag kommt, der mich dann wieder interessiert.

Viele Kinder und Jugendliche fahren öffentlich und werden deswegen von den Infoscreen-Inhalten erreicht. Muss man deswegen besonders sensibel bei der Themenfindung agieren?

Stefanie Paffendorf: Es gibt natürlich bestimmte Reglementierungen, was Kinder- und Jugendschutz betrifft. Weil auch Kinder die Infoscreen-Meldungen lesen, haben wir uns von einer Medienethikerin beraten lassen, welche Themen für sie zumutbar sind, und welche nicht. Wir berichten trotzdem über Kriege und Konflikte, allerdings achten wir dabei stark auf die Auswahl des Bildmaterials.

Wie wird konkret entschieden, welche Nachricht publiziert wird?

Stefanie Paffendorf: Wir haben natürlich einen klaren Rahmen dafür erstellt, die finale Entscheidung trifft der zuständige Nachrichtenredakteur. Bei der Themenfindung greifen wir auf Nachrichtenagenturen wie APA oder Reuters zurück, wir haben auch andere Medienpartner, die uns Inhalte zukommen lassen. Alles was wir veröffentlichen, geht vorher aber vorher durch die Hände der Redaktion. Es kommen nur Dinge auf den Screen, die wir vorher freigegeben haben.

Stichwort Redaktion – wie sehen die besonderen Herausforderungen der Infoscreen-Redaktion aus?

Stefanie Paffendorf: Wir können unsere Nachrichten im Vergleich zu vielen anderen Medien sehr aktuell veröffentlichen – einen Druckschluss wie bei Tageszeitungen gibt es bei uns natürlich nicht. Das ist ein großer Vorteil, aber auch eine Herausforderung, da die Geschwindigkeit sehr wichtig ist. Einerseits muss man schnell sein, andererseits muss die Qualität der Meldung passen. In einem sehr schmalen Zeitfenster müssen Inhalte verifiziert und aufbereitet werden. Deswegen haben wir auch einen Früh- Tag und Spätdienst.

Bei der Gründung des Infoscreen 1998 gab es noch keine Smartphones, heute sind sie nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Wie wirkt sich diese Konkurrenz auf das Produkt Infoscreen aus?

Sascha Berndl: Unser größer Marktbegleiter in den U-Bahnen sind nicht etwa Gratis-Zeitungen die aufliegen, sondern das Smartphone. Dieses Thema beschäftigt uns sehr stark – wir versuchen aber einen Weg zu finden, der es den Benutzern erleichtert, unsere Nachrichten parallel zur Smartphone-Nutzung zu konsumieren.

Klingt etwas nach Reizüberflutung.

Sascha Berndl: Unsere Zielgruppe befindet sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln in einer Wartesituation, in der oft Langeweile herrscht, von einer Reizüberflutung kann man deswgen nicht sprechen. Es gibt übrigens Studien, die positive Effekte des Infoscreens bestätigen. Frauen fühlen sich etwa am Abend sicherer, wenn sich in ihrer Nähe ein Screen befindet.

Der Infoscreen feiert heute 20-jähriges Jubiläum. Welche Themen werden in Zukunft auf das Unternehmen zukommen?

Sascha Berndl: Obwohl wir heute 20 Jahre alt sind, agieren wir in vielen Bereichen wie ein Start-up, es gibt zahlreiche Eigenentwicklungen.

Von Luciana Siegenthaler und Valentin Lischka

Über Luciana Siegenthaler 2 Artikel
Luciana Siegenthaler ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, ein Elternteil kommt aus Brasilien. Seit 2012 ist Wien ihr Hauptwohnsitz, wobei sie verschiedene Praktika in der Karibik und in den USA gemacht hat. 2015 hat sie angefangen am Journalismusinstitut der Fachhochschule der Wirtschaftskammer Wien Content Produktion und digitales Medienmanagement zu studieren.