„Wenn der eSport wachsen soll, dann muss da auch ein wirtschaftlicher Aspekt sein“

Mit Zocken Geld verdienen? Das ist heutzutage nicht einmal so unvorstellbar, denn eSport wird immer beliebter. Den ersten Boom gab es vor etwa 10 Jahren, also entschied man sich den ESVÖ (eSport Verband Österreich) zu gründen. Manuel Haselberger, vom eSport Verband, spricht im Interview mit Metamedia über die Welt des elektronischen Sports und über Gaming Disorder.

Metamedia: Wie kann man in Österreich als eSport Profi eigentlich Geld verdienen?

Haselberger: Schwierig, da muss man wirklich sehr gut sein. Einerseits gibt es die Preisgelder, die man durch Turniere gewinnt, die sind aber nicht unbedingt die Haupteinnahmequelle des eSportlers. Das ist wie bei den normalen Sportler auch, da kommen ja Sponsorenverträge, Aktionen die man gemeinsam setzt oder Livestreaming-Donations dazu. Die Arbeit, die man als eSportler treibt ist primär sich als Marke zu positionieren.

Metamedia: Was war denn der Anlass zur Gründung des eSport Verbandes 2007?

Haselberger: Der Anlass war damals, dass eine Art Struktur gesucht wurde. Es hat zu viele verschiedene Organisatoren gegeben und es fehlte eine zentrale Anlaufstelle. Die Event Organisatoren wollten sich so absprechen, dass sich nichts überschneidet am Wochenende, die Turnier Organisatoren wollten ein zentrales Regelwerk und solche verschiedenen Dinge haben dann dazu geführt, dass man sich eben zusammengesetzt hat und gesagt hat, man gründet eine Verbandstruktur.

Metamedia: Was sind die Grundaufgabe des Verbandes?

Haselberger: Ich sag immer gern, dass die Hauptaufgabe des Verbandes ist, die erste Anlaufstelle zu sein. Vor allem für Leute, oder Organisatoren, die nicht unbedingt aus dem eSport Umfeld kommen und vielleicht nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Außerdem ist es bei uns immer so, dass wir versuchen eSportlerInnen und Wirtschaft, Politik, Medien, miteinander zu vernetzen.
Eine weitere Aufgabe ist, dass man mit der Politik spricht und etwas auf öffentlicher Ebene voranbringt. Der Verband versucht auch, dass er nicht nur Veranstalter ist, sondern auch eine Plattform für den Sport schafft, wie die jährliche GamesCity beim Wiener Rathausplatz.

Metamedia: Wie fördert ihr Spieler? Trainiert ihr sie, oder wie kann man sich das vorstellen?

Haselberger: Spieler Förderung passiert dahingehend, dass man versucht eine beratende Stelle zu sein. Das heißt, wenn ein Spieler ein Preisgeld gewinnt, und nicht weiß wie er es besteuern soll, oder wie es da rechtlich ausschaut, dann schauen wir, dass wir da eine unterstützende Rolle spielen. Wir können nicht jeden einzelnen Spieler versuchen individuell zu trainieren sondern schauen eher dass wir „das große Ganze“ auf nationaler Ebene bewegen.
Wir haben aber trotzdem Pläne, weiter Spielerförderung betreiben. Zum Beispiel haben wir letztes Jahr ein FIFA Trainingscamp gemacht, eben bewusst nicht für Profis, weil wir ja keine Elitenförderung betreiben wollen, sondern für den Nachwuchs. Am Anfang des Jahres hatten wir auch das League Of Legends Trainingscamp, auch für Newcomer Teams und da hatten wir Profis aus der Szene, die darüber gesprochen haben. Weiteres hatten wir einen Mentalcoach dabei, eine Ernährungsberaterin, und Sachen wie Präsentationstraining für Streamer standen auch auf dem Plan.

Metamedia: Wie sieht es mit der Geschlechterverteilung im eSport aus?

Haselberger: Ja, das ist etwas wo man auf jeden Fall ansetzten muss, und wo gefördert werden muss. Wenn man beim eSport bleibt, dann sieht man schon dass der weibliche Anteil bei weniger als 5% liegt.

Metamedia: Verfolgt der Verband da gewisse Strategien um eSport attraktiver für Spielerinnen zu machen?

Haselberger: Ja, durch konkrete Aktionen, wie eine FIFA Frauenliga, die zur Zeit in Position gebracht wird. Wir haben auch, zum Beispiel, vor zwei Wochen mit einem Mitglied des Verbandes, der Yvonne („MissMadHat“, Streamerin) bei einer Podiumsdiskussion teilgenommen, bei der es genau um diesen Genderaspekt gegangen ist und wir schauen immer dass wir bei der GameCity solche Aktionen setzen können. Aber primär muss, sage ich jetzt, die Veränderung bei der Gesellschaft angesetzt werden.

Metamedia: Die WHO sieht seit Neustem die Sucht nach Computer- und Videospielen als „psychische Krankheit“ an — Glaubst du, dass eSport diese Gefahr fördert?

Haselberger: Nein, obwohl ich es gut finde, dass die WHO diesen Schritt gemacht hat. Diese Videospielsucht ist eine Sucht wie jede andere, und die sollte man ernst nehmen. Trotzdem finde ich, dass man den Krankheitsaspekt vom sportlichen trennen sollte. Zum eSports gehört ja nicht nur 12 Stunden am Stück zocken dazu. Zum eSport gehören ein gesunder Geist, ein gesunder Körper und eine Disziplin. Das sind alles Sachen, die das Gegenteil von einer Krankheit ausmachen.

Metamedia: Wie sieht es denn momentan mit eSport in Österreich aus? Gibt es da schon Fortschritte?

Haselberger: Es ist aktuell ein zweiter Frühling im eSport. Der erste Frühling war noch ein bisschen vor meiner aktiven eSport Zeit, so vor ca.15 Jahren, da war eSport hier schon größer, als er jetzt ist. Es gibt die Chance nachhaltiger zu agieren, einfach auch weil sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Früher wurden sehr viele Turniere wie Lan-Parties gehalten und sehr viel Geld ausgeschüttet, doch jetzt ist alles online und da sehe ich schon die Chance, dass der Wachstum etwas nachhaltiger passieren wird. Das obliegt jetzt natürlich vor allem der Wirtschaft und der Politik, wie das Ganze sich entwickeln wird. Zurzeit passiert sehr viel auf ehrenamtlicher Basis. Das ist zwar sehr gut, aber einfach nicht nachhaltig, weil die Arbeit die man leisten kann von der Freizeit abhängt und sowas ist bei einem Beruf was ganz anderes. Deshalb: wenn der eSport wachsen soll, dann muss da auch ein wirtschaftlicher Aspekt sein, der sich stärker entwickelt und es erlaubt, professionell im eSport zu arbeiten.

Metamedia: Wie glaubst du, wird es in Zukunft aussehen? Wie wird sich der eSport weiterentwickeln?

Haselberger: Es ist gerade der Punkt gekommen, wo man sehen wird, wie‘s weiter geht. Ob es in Zukunft steigen wird, stagniert, oder ob das Interesse jetzt komplett abstirbt. Ich traue mich nicht, das zu 100% zu sagen, aber meine Tendenz ist schon, dass die Wachstumskurve in Zukunft nach oben steigen wird und dass der eSport weiter wachsen wird. Ich glaube, dass wir in der Branche aus den derzeitigen Entwicklungen lernen. Vor allem werden wir in Zukunft als Veranstalter auf internationaler Ebene stärker gebunden sein und mehr Vereine werden sich trauen etwas zu organisieren, weil sie wissen dass es interessierte Teilnehmer geben wird. Wünschen würde ich mir, das ist auch ein Ziel das wir verfolgen, dass wir österreichweite Strukturen und Standorte schaffen können. Wenn man Fußballspielen will, geht man zum Fußballplatz und solche Strukturen fehlen im eSport. Die Area 52 ist etwas, was es nicht so oft in Österreich gibt. Wenn man mal etwas veranstalten möchte, hat man sowas nicht gleich ums Eck und für eSport gibt es einfach sehr wenige Anlaufstellen, und da würde ich mir wünschen, dass diese Strukturen sich weiter entwickeln.

Von Tiana Hsu und Selma Dikici, Fh Wien