6 Tipps von erfahrenen Podcastern, wie du am besten einen Podcast startest

Auf der einen Seite zwei Newcomer, auf der anderen zwei alte Hasen. Hier Konzept des Null-Konzepts, da intensive Vorbereitung und Investitionen in dicke Geschichtswälzer. Sie unterhalten sich über das Leben, die Liebe und auch mal über Dad-Jokes. Die anderen philosophieren über Männer, die Kokosnüsse anbeten oder hysterische Frauen, die so viel mehr als das sind. Es geht um Podcasts: Wir haben uns mit Darius von Der gemischte Satz  und Richard von Zeitsprung getroffen und für euch die sechs wichtigsten Tipps für euren eigenen Podcast gesammelt.

1) Sucht euch vernünftige Themen – oder auch nicht?

Hier wird es schon ein bisschen kompliziert, funktionieren kann nämlich beides. Unsere beiden Podcast-Experten gehen nämlich ganz verschieden an diesen Punkt heran. Während der 20-jährige Darius mit seinem besten Freund Mauriz ziemlich spontan an seine Folgen herangeht, stecken Daniel und Richard mehrere Stunden in die Vorbereitung: “Wir müssen eher aufpassen, dass es nicht gescripted klingt. Wir kennen uns schon so lange, dass wir die Sätze des anderen vorhersagen können und das wirkt dann manchmal schon fast nicht mehr echt” so Darius. Diese Intimität geht aus der jahrelangen Freundschaft mit Mauriz hervor. Und da die beiden finden, dass sie miteinander einfach irre komisch sind, philosophieren sie jetzt in einem eigenen Podcast über ihr Leben oder erzählen sich über 30 Minuten lang Witze. Entstanden ist die Idee übrigens nach dem Vorbild der amerikanischen Late-Shows. Das heißt in Jimmy Fallon-Manier verschreiben sich die beiden der Aufgabe der Unterhaltung.

Darius und Mauriz
Darius und Mauriz bei einer Podcast-Aufnahme

Unterhalten, das wollen auch Richard und Daniel, aber mit einem etwas anderen Konzept. “Lernens ein bisserl Geschichte, Herr Reporter. Dann wissen’s wie sich damals entwickelt hat.” Mit diesem Opener von Kreisky startet jede Folge des Duos und es beschreibt ihren Fokus. Dafür investieren die beiden Historiker viel Geld in Geschichtsbücher, die sie für die Inhalte ihrer Folgen brauchen. Diese beleuchten Skurriles und Unbekanntes aus der Weltgeschichte, aber nicht in öder Schulmanier, sondern indem sie zum Beispiel versuchen die falsche Geschichte von Bertha Pappenheim zu erklären, die vielen nur als Patientin von Freud bekannt ist, eigentlich aber eine wichtige Pionierin gegen den Frauenhandel war. Das heißt in diesen Podcast fließt viel, viel Arbeit. Das hört man dann auch, die Sendungen sind nicht nur unterhaltend, sondern beinhalten auch spannende Infos aus aller Welt. Themen liefern mittlerweile auch ihre HörerInnen, die gerne immer häufiger ihre eigenen Vorschläge einbringen.

Hier könnt ihr euch die Folge zum Kokovorismus anhören:

2) Sei deinen Freunden nah, deinen Feinden noch näher. Aber stalke deine Hörer!

Eine etwas alte Leier, die nun mal aber auch Berechtigung hat. Darius und Mauriz nützen dafür ganz simpel, die Seite auf der sie auch ihre Podcasts anbieten – Soundcloud. Die Plattform ist nicht nur gratis, es werden dem Podcaster auch zahlreiche Tools zur Erhebung aller möglichen Daten zur Verfügung gestellt. Ob Hörerzahl oder das Land mit den meisten Downloads, Soundcloud bietet viele Möglichkeiten, immer alle wichtigen Information zu deinem Podcast abzurufen, damit Inhalte gegebenenfalls auch an Zahlen angepasst werden können.

Statistiken abrufen, das kann jeder. Was dem Ganzen dann noch eines drauf setzen würde, wäre deine Hörer auch wirklich persönlich zu kennen und hautnah zu erfahren, was sie denn so interessiert. Und genau deshalb haben Richard und Daniel sich tatsächlich live mit ihren Followern getroffen. Einen Abend lang ging es zuerst im Wiener Globenmuseum und später im Kaffee Alt Wien darum, wer die Menschen hinter den Downloadzahlen sind, was sie für Interessen haben und weshalb sie eigentlich ihre Zeit dem Podcast auf zeitsprung opfern. Ab einer gewissen Hörerzahl geht das natürlich nicht mehr so leicht, aber gerade am Anfang eignet sich so ein Treffen, um die Community zu festigen und auch sich selbst zu präsentieren, damit zu der sinnlich-wohligen Stimme auch ein Gesicht passt.

3) Es ist kein 12-Stunden Arbeitstag – aber fast.

Obwohl beide Teams kein Geld mit ihrem Podcast verdienen, es also nur nebenberuflich oder als Hobby machen, stecken sie ziemlich viel Zeit in ihre Projekte. Während Darius uns noch erzählt, dass es sehr Episoden-abhängig ist, weil er zum Beispiel bei der Witz-Folge mehrere Stunden für den Schnitt gebraucht hat, dafür bei einer anderen keine drei Minuten am PC gesessen ist, sieht es bei zeitsprung etwas anders aus.

Zwischen zwei und fünfzehn Stunden gehen für die Vorbereitung drauf. Das fällt den beiden etwas leichter, wenn sie ein Thema behandeln, zu dem es noch nicht zig Bücher gibt, die sie durchforsten müssen. Der Schnitt nimmt dann auch nochmal etwa drei bis vier Stunden in Anspruch. Und das funktioniert über Learning-by-Doing und Tutorials im Internet. Schnittprogramme gibt es ja wie Sand am Meer. Es muss nicht das teure Adobe Programm sein, Richard hat beispielsweise mit dem Gratis-Programm Audacity begonnen, mittlerweile ist er auf Ardour umgestiegen. Ebenfalls Open Source, aber mit zahlreichen Plug-Ins, mit denen zum Beispiel Hintergrundrauschen herausgefiltert werden kann.

Hört euch hier an, was uns Richard im Interview über die Produktion verraten hat:

 

4) Werdet selbst zum Star.

Es muss sich nicht immer Heinz Fischer höchstpersönlich in deinem Podcast zu Wort melden. Sowohl zeitsprung als auch der gemischte Satz laden im Moment keine oder nur vereinzelt Gäste ein. Die beiden profitieren natürlich davon, dass sie jeweils im Duo auftreten, wodurch sich eine gewisse Dynamik und Abwechslung bietet. Bei zeitsprung ist es ein bisschen wie eine Gute-Nacht Geschichte erzählen. Richard oder Daniel bereiten jeweils ein Thema für die Folge vor und erzählen es dem anderen, der kann gegebenenfalls auch nachfragen. Dabei weiß der andere tatsächlich nicht, was sein Freund vorbereitet hat. Es entsteht eine natürliche Erzählsituation, die auch nicht so auswendig gelernt wirkt, obwohl ein recht fixes Konzept besteht. Dabei hilft es auch, dass man zu zweit ist, wie uns Richard erzählt: „Man hat einfach mehr Druck etwas zu machen, wenn man weiß, da ist noch jemand und der erwartet etwas von dir. Für meinen eigenen Podcast hab‘ ich bis jetzt deshalb nur vier Episoden.“

Auch die beiden Newcomer gehen im Moment noch sehr ähnlich an die Sache heran, wollen aber in Zukunft sehr wohl auch verschiedenste Gäste einladen. Zur Zeit funktioniert ihre Sendung noch über ihr natürliches Charisma und die langjährige Freundschaft. “Ich rede meistens lang und viel, der Mauriz sagt dafür weniger, aber wenn, dann ist es lustig und g’scheit.” Es muss also nicht immer ein Externer für ein Gespräch vorbeikommen, denn auch das ist meistens eher umständlich. Richard und Daniel nehmen ihren Podcast zum Beispiel nicht gemeinsam auf. Während der eine in Hamburg ist, sitzt der andere in Wien. Experten und sie selbst werden eventuell über eine Art Skype-Programm zugeschaltet. Also auch das ist möglich!

Wie sich Darius und Mauriz eine halbe Stunde lang über Tinder-Dates und Mauriz’ eingeschüchterten ersten Eindruck von Darius unterhalten, könnt ihr euch hier in der Episode “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” anhören:

5) Man sollt’ halt schon verstehen, was ihr sagt.

Einer der wohl wichtigsten Tipps überhaupt, den uns unsere beiden Podcaster auf den Weg gegeben haben: KAUFT EUCH VERNÜNFTIGES EQUIPMENT!
Hier lohnt es sich wirklich auch etwas mehr Geld zu investieren, vor allem auf lange Sicht. Gerade bei Newcomern muss einem das aber auch wert sein. Für den gemischten Satz haben Darius und Mauriz jetzt nach acht Wochen Bestehen beide jeweils etwa 100 Euro in zwei Großmembran-Mikrofone investiert, nachdem sie bei ihrer ersten Folge bemerkt haben, dass es eben doch nicht irgendein Aufnahmegerät tut.

Auch Richard und Daniel haben sich nach kurzer Zeit für teureres Material entschieden. Das hat auch damit zu tun, dass die HörerInnen mittlerweile schon sehr verwöhnt sind, was die Qualität angeht und es somit im Sinne der Professionalität notwendig ist. Konkret verwenden die beiden dafür das dynamische Mikrofon Podcaster von Rode, das sich gut für einen Podcast eignet, weil es wenig Hintergrundgeräusche aufnimmt. Diese Entscheidung hängt auch damit zusammen, wo man aufnimmt. Ein kleiner Raum ist besser. Ansonsten hat Richard auch noch einen Mikrofonstecker, den man über externe Soundkarte und USB-Anschluss an den Computer hängt. So können gleichzeitig zwei Mikrofone verbunden werden und die Lautstärke geregelt werden. Bei der Aufnahme selber solltet ihr aber sowieso Kopfhörer aufhaben, um gleich zu hören, was ihr aufnehmt.

Equipment von Richard (Zeitsprung.fm)So in etwa kann das dann aussehen – Das ist Richards Arbeitsplatz und alles, was er für den Podcast braucht.

6) Anfangs wird nur deine Oma zuhören, macht aber nix!

Darius‘ wichtigsten Tipp aus unserem Interview, könnt ihr hier hören:

Ein Podcast, das ist etwas das Zeit braucht, darauf sollte man sich schon mal einstellen. Es werden vor allem am Anfang auch nicht viele zuhören. Wobei gerade das vielleicht auch ein ganz hilfreicher Gedanke ist. Darius‘ Tipp „Macht es einfach! Gar nicht so viel überlegen, wer das jetzt aller hört oder wie was klingt. Erst hören es eh nur deinen Freunde und Verwandten an und dann später, wenn man sicherer ist, baut sich was auf.“

Aufbauen kann sich dann aber wirklich was. Richard und Daniel betreiben zeitsprung schon drei Jahre und das so erfolgreich, dass ihr Material in Deutschland sogar für den Unterricht verwendet wird. Sie liefern den SchülerInnen damit eine andere Art etwas über Geschichte zu lernen. Dass sie das eventuell auch entgeltlich machen können, wissen die beiden, bieten ihre Aufnahmen aber im Moment noch gerne gratis an. Die beiden haben eine Non Commercial Licence erworben, wodurch zwar niemand ihre Sachen verkaufen kann, sie sie aber eben für derartige Gelegenheiten anbieten können.

Von Nadine Hobbiger und Sarah Riepl – Studentinnen der FH Wien der WKW des Studienganges Content-Produktion und digitales Medienmanagement